Die Innenstadt gezielt aufwerten
Herr Uhl, was muss die Stadtverwaltung tun, um entgegen zu steuern?
In den 50er und 60er Jahren war Oberkochen die am schnellsten wachsende Gemeinde in Baden-Württemberg und erhielt deshalb 1968 die Stadtrechte. Dass es in den letzten 15 Jahren mit der Einwohnerzahl derart bergab geht, war so nicht vorherzusehen. Allerdings weisen wir von der CDU seit langem Jahr für Jahr darauf hin, dass Oberkochen in der Wohnraumentwicklung vorankommen muss. Vor allem für junge Familien fehlen bezahlbare Bauplätze, sowie Wohnungen im gehobenen Segment. In diese Bresche sind die umliegenden Gemeinden gesprungen, haben damit ihre Entwicklung vorangetrieben und zugelegt. Die 2006 auf unseren Antrag hin aufgenommene Fortschreibung des Flächennutzungsplans wurde nicht vorangebracht. Wir haben den Druck noch einmal erhöht und hoffen, dass es jetzt endlich schneller vorangeht.
Das Problem ist wohl der Erhalt der Infrastruktur…..
Natürlich. Oberkochen ist es bisher gelungen, die geschaffene Infrastruktur in Abhängigkeit von der konjunkturellen Lage seiner Großbetriebe zu erhalten. Vor allem unsere Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, aber auch einige Straßen, die Kläranlage und das Rathaus wurden in den letzten Jahren mit einem finanziellen Aufwand von über 30 Mio. € saniert und ausgebaut. Wenn aber 800 Einwohner fehlen, spüren das nicht nur die Schulen, Kindergärten, die Bibliothek und das Hallenbad bereits jetzt in erheblichem Maße, sondern auch das Einzelhandelsgewerbe. Gerade in diesem Bereich gibt es mittlerweile immer mehr Leerstände, die nur schwer neue Mieter finden.
Was bringt Oberkochen wieder auf Kurs?
Wie schon gesagt, muss nun endlich der Flächennutzungsplan offensiv vorangetrieben und neue Baugebiete ausgewiesen werden. Wir haben den Bürgermeister deshalb gebeten, den Gemeinderat über aktuelle Entwicklungen zeitnah zu informieren. Es muss die Einsicht kommen, dass es mit der Schließung von Baulücken und Arrondierungen einfach nicht getan ist. Oberkochen hat mit 5000 Einpendlern ein riesiges Potential, wobei es ausreichen würde, nur einen Bruchteil davon durch Ansiedlung zu binden. Eine große Chance, die man nicht vergeben darf. Zudem ist Oberkochen landschaftlich sehr schön, bietet also beste Voraussetzungen.
Reicht das aus?
Natürlich nicht. Die CDU-Fraktion hat bereits 2006 den Antrag gestellt, den Innenstadtbereich durch gezielte Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen aufzuwerten und hierfür ein Gesamtkonzept durch Fachleute erstellen zu lassen. Heute weiß man, dass Zuzugsentscheidungen weitgehend mit dem Gepräge und Erscheinungsbild einer Stadt eng zusammenhängen. Außerdem ist Oberkochen Sitz zweier Weltfirmen. Wir sind erleichtert, dass es uns aufgrund der guten finanziellen Lage gelungen ist, den Gemeinderat zu überzeugen, diese Maßnahme auf 2012 vorzuziehen und auf eine Bauzeit von zwei Jahren zu komprimieren.
Worum geht es im Detail?
Ein Muss ist für uns die Ersetzung des über weite Strecken stark beschädigten Pflasterbelags durch eine optisch ansprechende Belaggestaltung unter Berücksichtigung der Fußgängerfreundlichkeit, Rollstuhl- Gehhilfen- und Kinderwagentauglichkeit, ansprechende Möblierung, modifizierte Baumquartiere und Verbesserung der Parkmöglichkeiten, sowie Ersatz der nervtötenden Querpflasterung in der Dreißentalstraße durch zeitgemäße, geräuschneutrale Beläge. Das Quartier zwischen Bahnhofstraße und Stadtbibliothek bietet sich für einen echten Stadtmittelpunkt mit Platzcharakter geradezu an. Hier sind wir für die verschiedensten Möglichkeiten offen. Dazu müsste aber der Bebauungsplan „Stadtmitte“ komplett überarbeitet werden. Im Übrigen werden wir uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der letzte Zug aus Stuttgart auch noch die Stadt Oberkochen erreicht. Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor. Die CDU ist überzeugt davon, dass der von uns eingeschlagene Kurs eine Kehrtwende in der Einwohnerentwicklung einläuten wird, dass es dazu aber jetzt allerhöchste Zeit ist.
Interview: Lothar Schell