Deutliche Mehrheit für Kiesewetter

Roderich Kiesewetter heißt der neue CDU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Aalen-Heidenheim. Bereits im ersten Wahlgang entfielen auf ihn über 75 Prozent der Stimmen. Damit setzte sich Kiesewetter am Samstagnachmittag in der Ebnater Jurahalle deutlich gegen seine beiden Mitstreiter Christoph Hald und Albrecht Hummel durch.

Aalen-Ebnat. Nur ein Wahlgang. Mit rund 75,5 Prozent haben die CDU-Mitglieder Roderich Kiesewetter zum neuen Bundestagskandidaten gewählt. Damit hat der 45-Jährige beste Chancen, nächstes Jahr Georg Brunnhuber in Berlin politisch zu beerben. Die beiden anderen Kandidaten hatten am Samstagnachmittag in der Ebnater Jurahalle keine Chance: Auf Christoph Hald entfielen rund 13,5 Prozent und auf Albrecht Hummel rund 11 Prozent der Stimmen.
15 Minuten hatten die Bewerber jeweils Zeit, ein letztes Mal vor der Wahl die CDU-Basis von sich zu überzeugen. Per Losentscheid stand Roderich Kiesewetter als erster am Rednerpult.
Kiesewetter wusste mit einem klaren Konzept zu überzeugen. So habe er eine „Vision“ von einem Lehrstuhl für regenerative Energien an der Hochschule Aalen in Kooperation mit der Berufsakademie Heidenheim. Erste Gespräche habe er dazu bereits geführt. Er wolle sich zudem für ein Kreditprogramm für die mittelständische Wirtschaft sowie für Steuerentlastung einsetzen. Auch auf die Finanzmarktkrise ging er ein und lobte Merkel für ihre ausgesprochene Garantie. Er sei für soziale Marktwirtschaft und gegen ungezügelten Kapitalismus.
Christoph Hald hatte es schwerer, zu punkten. Forsch ging er es an: „Ich bin aufgeregt, vor so vielen Menschen zu sprechen, aber ich muss es lernen denn ich werde gewinnen.“ Hald betonte seine regionalen Erfahrungen und beruflichen Kompetenzen. So sprach er sich für die Pkw-Maut aus bei gleichzeitiger Abschaffung der Kfz-Steuer. Er ist gegen die Wiedereinführung der Pendlerpauschale, dafür solle die Ökosteuer herabgesetzt werden: „Das hilft allen.“

Provokation zum Schluss
Albrecht Hummel sorgte für Heiterkeit. Seine Ausführungen – intelligent, durchdacht, polarisierend – unterstrich er mit seiner unkonventionellen Wortwahl: „saumäßig“ freue er sich über so viel Basisdemokratie, man müsse weg vom „gottverdammten“ Erdöl, und er habe „Schiss“ vor roten Protestwählern. Auch er wolle den Mittelstand stärken, der sei „staatsprägend“. Leistung müsse sich wieder lohnen, die Gesamtsteuerbelastung müsse sinken. Die „zunehmende Islamisierung Deutschlands“ bereite ihm Sorgen, erwähnte er abschließend, bevor er wiederholt betonte, dass er als selbstständiger Handwerker deren Sorgen und Nöte bestens verstehe. Seine Provokation abschließend fruchtete trotzdem nicht: „Sie haben nun die Wahl zwischen einem normalen und einem etwas anderen Bundestagskandidaten – wie viel Mut Sie haben werden wir ja sehen.“
Während die Stimmen ausgezählt wurden, trat Georg Brunnhuber ans Mikrofon. Ein Jahr ist er noch der CDU-Bundestagsabgeordnete. Deshalb wolle er auch keine Abschiedsrede halten, betonte Brunnhuber, der vor rund 18 Jahren in der Ebnater Jurahalle gewählt wurde. In seinen geplanten Rechenschaftsbericht
zur Lage der CDU drängte sich die aktuelle Finanzkrise. „Die größte Krise der Finanzwirtschaft weltweit hat jetzt hoffentlich ihren Höhepunkt erreicht“, sagte Brunnhuber. Man müsse die Bankenaufsicht, wie es sie in Deutschland gebe, auf die ganze Welt ausdehnen.
Brunnhuber versprach, den gewählten Kandidaten – welcher auch immer gewinnen werde – vorzubereiten auf die Zeit in Berlin.
Bei der Verkündung des Ergebnisses lobte der Versammlungsleiter, Staatsminister Professor Wolfgang Reinhart, den „fairen Wettbewerb“. 75 Wähler stimmten für Hummel, 92 für Hald und 514 von insgesamt 681 wählenden CDU-Mitgliedern hatte Kiesewetter schließlich überzeugt.
„Mit Ihnen kann man ja Verfassungen ändern“, rief Kiesewetter angesichts seiner Drei-Viertel-Mehrheit in einer ersten Reaktion den CDU-Mitgliedern zu. Der „Schorsch“ sei für ihn ein Vorbild: „Zusammen können wir es schaffen.“ Und auch wenn er den schwäbischen Dialekt nicht so beherrsche, so müsse er es jetzt doch einmal versuchen, sagte Kiesewetter in die von lautem Applaus gefüllte Halle: „Sauguad, saustark – Oschdwürddaberg.“