„Klein-Venedig“ und Stadtplatz

CDU-Stadtverband war „on tour“ mit den Architekten Sonja Nagel und Jan Theissen

Die Innenstadt hat eine neue Pflasterung, der Straßenraum ist fertig. Aber was kommt danach? Dass dies sehr viele Bürger interessiert, zeigte sich bei der Innenstadttour, die der CDU-Stadtverband am Samstagnachmittag angeboten hat.

 

Lothar Schell

Oberkochen. Das Büro AMUNT-Architekten aus Stuttgart war bereits im Juni letzten Jahres vom Gemeinderat mit der Erstellung eines städtebaulichen Konzepts für die Innenstadt beauftragt worden. Dabei wurde ein Gebiet umrissen, das sich zwischen Bahnhofstraße und katholischer Kirche auf der einen Seite und der Katzenbachstraße und der Oberkochener Bank auf der anderen Seite erstreckt.
Kernpunkt des Konzepts ist dabei, die Gebäude Aalener Straße zwei und vier komplett abzubrechen und den Platz zwischen der katholischen Kirche und der Stadtbibliothek zu einem Stadtplatz zu machen. „In Oberkochen bewegt sich was und wir wollen heute Anregungen erfahren, wie die Stadt in den nächsten Jahren aussieht“, meinte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Martin Balle.
Das „Nagel-Areal“ war von der Stadt käuflich erworben worden. Oberkochen habe viele Preziosen, man müsse sie eben nur entdecken, meinte Architektin Sonja Nagel beim Start zur Tour de Oberkochen. Und in der Tat bekamen die Teilnehmer einige kuschelige Plätzchen zu Gesicht, die selbst manch eingefleischter Oberkochener bis dato noch nicht gesehen hatte.
„Oberkochen hat eigentlich keinen Platz und es gilt, viele Mosaiksteine miteinander zu vernetzen“, erklärte die Architektin. Und sie fügte hinzu: „Ein bisschen ist überall, aber es fehlt die kompakte und emotionale Mitte.“
Öffentliche Plätze entstehen nicht von sich aus, man muss sie wie einen Edelstein fassen. Dazu zählt auch der Platz hinter der Stadtbibliothek in Richtung Kocherkanal mit Blick auf den Rotstein. Viele Vorschläge wurden gemacht.
Für Parkplätze eigentlich zu schade könnte ein Kinderspielbereich entstehen, gar von einem Schwimmbad war die Rede. Auf jeden Fall wolle man eine Verbindung zum Kocher schaffen. Man soll wieder baden können im Kocher, vom „Klein-Venedig“ war sogar die Rede. Eine Verbindung hin zur katholischen Kirche soll entstehen.
„Wir haben Wasser in der Stadt, aber keine Erschließung für die Öffentlichkeit“, meinte Sonja Nagel beim Rundgang. Überhaupt gebe es in Oberkochen viel zu wenig Wegeverbindungen. Ziel müsse sein, eine differenzierte Wege-Bewegung durch die ganze Stadt hinzubekommen. Eventuell könne man sich auch die Gestaltung eines Wassersteigs vorstellen.
Im Gesamtpaket wolle man den Kocherkanal, die Scheerer-Wiese, Bäume und Flusslauf zueinander bringen. Eine Neugestaltung soll der pittoreske Bereich entlang des Kocherkanals von der Scheerer-Mühle bis zur Bahnhofstraße erhalten. Hier sollen Terrassen zwischen Stadtplatz und Kocherkanal angelegt werden, so dass dieses Gebiet erstmals mit dem Ortskern verbunden werden könnte.
Die Teilnehmer der Info-Tour wurden auch in den „geheimen Garten der Kirche“ – so Architektin Nagel – geführt. Hier könnte eine schöne Bepflanzung ein Kleinod entstehen lassen. Vor allem aber könne man eine direkte Verbindung zum Mühlen-Areal schaffen.
Rolltor hoch, Eintritt in das von der Stadt erworbene „Nagel-Areal“. Das Brauerei-Gebäude wird abgerissen. „Wir können nicht sagen, was hier am Stadtplatz entsteht und wer was macht“, blickte Sonja Nagel in die Zukunft. Keiner weiß es bisher, man braucht Investoren. Von Gastronomie war die Rede, von Läden, ja sogar von einem Hotel.
„Ein Hotel würde besser ins ehemalige Elektra-Gebäude passen“, meinte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Martin Balle. In der Zukunftsvision des neuen Stadtplatzes steht auch der Bau zweier giebelständiger Häuser mit Einzelhandelsflächen und seniorengerechten Wohnungen, die eine breite Öffnung zum dahinter liegenden Gebiet bis hin zum Kocher ermöglichten.
Der bisher abgetrennte Hof der katholischen Kirche soll hierbei einbezogen und ebenfalls zum neuen Stadtplatz hin geöffnet werden. Die Diskussion war rege. „Gute Ideen, aber ich weiß nicht, ob ich das noch erlebe“, meinte ein strammer Sechziger. Und ein anderer, der ebenfalls schon Jahrzehnte am Ort wohnt, fügte hinzu: „Wir haben hier in der Vergangenheit ein Flickwerk geschaffen und müssen es tunlich vermeiden, weitere Flickenteppiche hinzuzufügen.“