Keine „Geisterstadt“

Stellungnahme des CDU-Fraktionsvorsitzenden, Franz Uhl, veröffentlicht am 6.3.2012, zum Pressebericht „Alte Häuser stehen leer“in der Schwäbischen Post vom 25.2.2012.

Ein großer Artikel in der Schwäbischen Post vom vergangenen Samstag beschreibt das Dilemma, in dem Oberkochen derzeit steckt: den außergewöhnlichen Einwohnerschwund, damit verbunden immer mehr leer stehende Geschäfte in der Innenstadt und den Kampf des Gewerbe- und Handelsvereins gegen die weitere Auszehrung auf diesem Gebiet. Auf der anderen Seite aber auch die gute Infrastruktur der Stadt mit modernen Schulen, hervorragenden Betreuungsangeboten für Kinder, Freizeitbad, Bibliothek, reichhaltigem Kultur- und Sportangebot, mehr Arbeitsplätzen als Einwohner und …… fehlenden Baumöglichkeiten.

Diese für Oberkochen im Grunde existentielle Thematik treibt die CDU-Fraktion schon seit nahezu 15 Jahren um, als sie zum ersten Mal ihren Antrag auf Fortschreibung des Flächennutzungsplans gestellt hat. Wir haben damals schon gesehen, dass nur durch eine vernünftige Baulandentwicklung einem drohenden Einwohnerrückgang wirksam begegnet werden kann. Das mag auf den ersten Blick banal klingen, aber die umliegenden Gemeinden haben gezeigt, dass dies der wichtigste Schlüssel einer erfolgreichen Stadtentwicklung ist. Der individuelle Platzbedarf ist in den vergangenen 40 Jahren enorm gestiegen und wird sich weiter fortsetzen. Hätten wir das Spitztal, sowie die Heideerweiterungen in den 80iger und 90iger Jahren nicht auf den Weg gebracht, wäre Oberkochen heute bereits um mehr als 2000 Einwohner geschrumpft.

Die im genannten Artikel angesprochenen und in der Überschrift herausgestellten „vielen leer stehenden Häuser“ gehen wohl auf eine Fehlinterpretation des zitierten Architekten Merz zurück. Auf Nachfrage beziffert Merz diese Anzahl auf lediglich vier bis fünf Einheiten, die ihm derzeit bekannt sind. Selbst wenn es ein paar mehr sind, Oberkochen ist bei über 3000 Wohneinheiten beileibe keine „Geisterstadt“, wie dieser Artikel suggerieren könnte. Im Gegenteil, Oberkochen ist eine quicklebendige Kleinstadt mit überdurchschnittlichem Arbeitsplatz-, Kultur und Freizeitangebot.

Um den Einwohnerrückgang aufzufangen, braucht die Stadt derzeit aber dringend die Bereitstellung von bezahlbaren Bauplatzangeboten für Einzelhausbebauung, aber auch für verdichtete Bauweise mit gehobenem Eigentums- und Mietwohnraum, wobei verstärkt an die Ansiedlung junger Familien, sowie an den Bedarf unserer Unternehmen gedacht werden muss. Daneben muss die Schließung von Baulücken vorangetrieben werden. Da die CDU-Fraktion mit ihrem Vorschlag keine Mehrheit gefunden hat, ein größeres Baugebiet im Gewann Schlackenweg/Kreuz gegenüber des Interkommunalen Gewerbegebiets im Sinne einer Einheit von „Arbeiten und Wohnen“ auszuweisen, mussten wir das mehrheitsfähige Wohngebiet „Wolfertstal“ unterstützen. Zugegeben, eine Entscheidung „schweren Herzens“, aber die einzige realistische Alternative, um das übergeordnete Ziel zu erreichen.

Wir alle stehen in der Verantwortung für eine gesicherte Zukunft unserer Stadt. Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass eine geeignete, in die Zukunft gerichtete Wohnraumpolitik auch zu den eingeforderten Standort-Rahmenbedingungen unseres Hauptarbeitgebers, der Zeiss AG, zählt. Bei Tausenden täglicher Einpendler ist das für Oberkochen die Chance, zumal der gegenwärtige Trend wieder zum Wohnen in der Nähe des Arbeitsplatzes geht und damit auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Es ist erfreulich festzustellen, dass sich diese Erkenntnis nun endlich auch bei Verwaltung, Gemeinderat und den übergeordneten Behörden durchgesetzt hat und die Fortschreibung des Flächennutzungsplans genau so große Fortschritte macht, wie die ebenfalls von uns eingeleitete Innenstadtsanierung, mit der bereits im Frühjahr begonnen wird. Oberkochen befindet sich jetzt auf dem richtigen Weg.