Oberkochen. "Wenn man solche Freunde hat wie meinen langen Wegbegleiter Bruno Balle und seinen Sohn Martin, dann kann man politisch auch bestehen. Ich bin stolz auf meine Oberkochener und stolz, Bürger dieser Stadt zu sein“, meinte der Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Brunnhuber bei der Verabschiedung im Bürgersaal des Rathauses. Besonderen Charme erhielt der Festakt durch die vibrierend-musikalische Umrahmung der „Sinfonietta“ unter Leitung von Andreas Hug. Die ganze Familie Brunnhuber war anwesend. Entschuldigen musste Stadtverbandsvorsitzender Martin Balle aus gesundheitlichen Gründen den vorgesehenen Festredner Dr. Gustav Wabro, für den später der CDU-Fraktionsvorsitzende Franz Uhl dessen Laudatio verlas. Die politischen Wurzeln seien das christliche Menschenbild und die feste Verankerung in der Familie, schrieb Balle Georg Brunnhuber ins Stammbuch. In Oberkochen habe sich „unser Schorsch die ersten politischen Sporen verdient“ und so sei er zu einem politischen Aushängeschild und anerkannten Gesprächspartner auf nationalem und internationalem Parkett geworden. Vom gelernten Zimmermann zum Polit-Profi, der nie seine Bindung zum Heimatort verloren habe. „Schorsch war in 20 Jahren seine Abgeordneten-Tätigkeit ein umsichtiger und mit vielen Eigenschaften ausgestatteter Taktiker und Freund zugleich und er hat seine Aufgabe in staatsmännischer Manier ausgeübt“, betonte Balle. Als Zeichen der Anerkennung überreichte er Brunnuber ein Relief mit dessen Initialen und seinem Porträt – angefertigt vom Oberkochener Künstler Franz Holdenried. Brunnhuber habe sich um die christlich-demokratische Union überaus verdient gemacht. CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Uhl verlas die Laudatio von Dr. Gustav Wabro. Nach seiner Ausbildung „im ehrbaren Handwerk des Zimmermanns“ und seinem Studium, das Brunnhuber als Diplom-Ingenieur für Architektur mit dem Schwerpunkt Städtebau abschloss, wurde dieser zum Wirtschaftsbeauftragten des Ostalbkreises ernannt und 1987 zum Chef des Kreisplanungsamts. Als „Homo politicus“ habe er alle Stationen durchlaufen: Vorsitzender der Jungen Union in Oberkochen, JU-Kreisvorsitzender, 1973 jüngstes Mitlied im Kreistag des Ostalbkreises. 1975 Wahl in den Stadtrat von Oberkochen,1980 Einzug in den Regionalverband und ab 1981 CDU-Kreisvorsitzender. 1990 wurde Brunnhuber in den Deutschen Bundestag gewählt, war dort stellvertretender verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. 2002 wurde ihm der Vorsitz in der Landesgruppe übertragen. Als herausragendes Ereignis wurde in der Laudatio die Wahl im Jahre 2005 zum Vorsitzenden und Sprecher aller Landesgruppen-Vorsitzenden in der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag genannt. „Scharf im politischen Verstand, ein exzellenter Redner und Rhetoriker, hohes Durchsetzungsvermögen“, zitierte Uhl Gustav Wabro, der besonders hervorhob, wie Brunnhuber in einer unvergessenen Nachtsitzung beim Bund die Realisierung der Westumgehung Aalen mit rund 70 Millionen Mark durchgesetzt habe. Für Wirtschaft und Industrie sei Brunnhuber ein reger Unterstützer und Sachwalter gewesen. Als einziges Mitglied des Deutschen Bundestags sei Brunnhuber in den Aufsichtsrat der Deutschen Bundesbahn eingezogen. Höchstes Ansehen habe er auch beim Heiligen Stuhl genossen. „Kraft hat ihm immer wieder die unerschütterliche Verankerung in seiner ostwürttembergischen Heimat gegeben. Höhepunkt des Festakts war eine Powerpoint-Präsenation von Gerd Haupt (Produktion) und Uwe Paap (Technik) mit dem Titel „Die Agenda Brunnhuber“. Dabei wurde facettenreich und tiefgründig auf „Ein Leben für die Menschen in der Region“ eingegangen. Beleuchtet wurden die politische Größe und die gelebte Humanität des "Lokalmatadors in Berlin“. Sein christliches Menschenbild habe seinen politischen Kompass justiert. Eingeblendet wurde eine Rede von Landrat Klaus Pavel, der Brunnhuber als Anwalt der Bürgerschaft und idealen Abgeordneten bezeichnete. Politik sei die Mitte seines Lebens gewesen. „Ich bin der CDU vor Ort beigetreten, als Oberkochen noch ein Dorf war“, meine Brunnhuber in seiner Ansprache. Er dankte Wegbegleitern wie Rudolf Eber, Julius Metzger, Gerhard Kenntner, Hilde Unfried und allen voran Bruno Balle, die ihm allesamt erst die Chance gegeben hätten, Politik zu machen. „Danke, Bruno, wenn man solche Freunde hat, kann man politisch auch bestehen“, sagte Brunnhuber. Er habe Spaß an der Politik gehabt und Oberkochen sei die Basis gewesen. Vom ersten Wahlkampf bis zum letzten sei Bruno Balle Tag und Nacht für ihn Ansprechpartner gewesen und Martin Balle sei eng an seiner Seite gewesen. „Vom Kies nach Berlin, das war eine wunderschöne Zeit“, resümierte Brunnhuber. An seine Gattin Anita gewandt meinte er: „Du warst die Nahtstelle der Familie, ich würde Dich gleich wieder heiraten.“ (ls)